rich life?
Jeden Monat beantworten wir eine Frage zu unterschiedlichen Lebensbereichen und geben Einblick in unseren Alltag und unsere Ansichten dazu. Heute: Wie gehen wir mit Geld um? Wie sparen wir?
Anna
Das Thema ist natürlich riesig und schwierig so allgemein zu beantworten. Aber ganz generell gesagt würde ich behaupten, ich kann ganz gut mit Geld umgehen. Beziehungsweise bin ich Meisterin darin, das Beste aus meinen Möglichkeiten zu machen und abzuschätzen, was mir wichtig ist.
Das ist meiner Meinung nach der wichtigste Punkt, wenn‘s ums Thema Geld geht: Know your priorities!
Ich würde eher nicht auf einen Urlaub verzichten, weil ich Sparen will. Ich gestalte lieber die Reise low budget und überlege mir, wie ich anderswo Geld einsparen kann.
Ich würde mir niemals ein eigenes Auto leisten und bin nicht anfällig für neue technische Gadgets, dafür gehe ich sicher überdurchschnittlich oft in Lokale. Nicht, dass das immer so teuer wäre, ich stehe gar nicht so auf Luxusrestaurants, aber natürlich ist es weit billiger zuhause zu Kochen, als zum (wenn auch eh) günstigen Vietnamesen zu gehen.
Allerdings bin ich meal prep queen und habe im Büro fast immer mein eigenes Essen mit – aufs Monat gerechnet spare ich mir damit einiges, was ich lieber in After Work Drinks oder Yogastunden investiere, als in fertig verpackte Wraps vom Supermarkt.
Ich denke diese finanzielle Selbstorganisation kann man eigentlich nur durch Erfahrung lernen, und ich habe damit recht früh angefangen. Ich musste schon in der Oberstufe mein monatliches Taschengeld in einer eigens dafür ausgemachten Verhandlung mit meinen Eltern ausdiskutieren. Ich musste meine Fixkosten und Ausgaben auflisten (5 € Moped-Versicherung, 7 € für einen Kinobesuch pro Monat, 3,60 € für die monatliche InStyle-Ausgabe usw.) Ich hatte zwar immer genug Geld, aber nur so viel, dass es sich gerade ausging und Luxusprodukte wie Shampoo, das über 5 Euro gekostet hat, nicht drin gewesen wären. Somit habe ich auch mit 16 begonnen regelmäßig neben der Schule zu kellnern. Damit habe ich teilweise ein Vermögen von 200 Euro an einem Wochenende verdient während meine Schulkolleg*innen einen ähnlich hohen Betrag beim Fortgehen auf den Putz hauten. Als ich zum Studieren nach Wien ging, war es das gleiche: Ich bekam von meinen Eltern eine Pauschale, die gerade halt ein bisschen zu wenig war, so dass ich immer neben dem Studium arbeiten und außerdem gut haushalten musste. Ich habe ein altes Notizbuch, wo ich jahrelang jeden Coffee to Go und jede Hofer Rechnung eingetragen habe und am Ende des Monats eine Übersicht erstellt habe, für welche Bereiche ich viel ausgegeben habe.
Ich bewundere mein Studentinnen-Ich, denn das ist jetzt nicht mehr so. Irgendwann im Laufe der Jahre, wo ich langsam immer mehr gearbeitet und auch mehr verdient habe, war es nicht mehr nötig so genau Buch zu führen. Auf einmal hatte ich sogar am Ende des Monats noch genug Geld am Konto, um mir ein Taxi zu leisten. Und wie ihr euch vorstellen könnt: That escalated quickly und man passt seinen Standard in Null komma Nix an seine Möglichkeiten an.
Irgendwann realisiert man, dass man bald 30 ist und dass Sparen nur Sinn hat, wenn man früh damit anfängt. Tja und auf einmal bin ich wieder an dem Punkt, wo ich eigentlich Buch führen sollte. Mein Sparverhalten könnte man so beschreiben: Ich spare, wenn es leicht geht. Ich habe ein Sparkonto, auf das ich bei größeren Einnahmen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld was rüberschiebe, wobei mir bewusst ist, dass es dort täglich an Wert verliert. Seit diesem Jahr habe ich außerdem ein flatex Konto mit dem ich in verschiedene ETFs investiere, was ich als Altersvorsorge betrachte.
Mir ist bewusst, dass persönliche Finanzen ein extrem schwieriges Thema sind, aber ich bin sehr dafür das zu ändern und vor allem transparent damit umzugehen. Alleine schon aus feministischer Sicht haben wir die Verantwortung Themen wie Altersarmut - die vor allem Frauen betrifft - , Gender Pay Gap und finanzielle Unabhängigkeit aufzubringen. Also let’s talk money.
Ina
Ich hab mich wohl noch nie in meinem Leben so viel mit Geld beschäftigt, wie in den letzten zwei Jahren. Vor zwei Jahren hab ich mich nämlich selbstständig gemacht und während ich davor in meinem Vollzeitjob Monat für Monat pünktlich am 1. das gleiche Gehalt ausbezahlt bekommen hab, variiert das momentan immer ziemlich. Zwischen 1000 und 5000 Euro ist alles drinnen. Von 1000 kann ich selbstverständlich nicht leben, meine Fixkosten mit Miete, Strom, Gas, Versicherungen, etc. komm ich schon locker auf über 800 Euro. Und dann trudelt noch quartalsweise die Sozialversicherungsrechnung in die Wohnung, von Steuern mal ganz abgesehen. Deswegen schau ich, dass ich für magere Monate immer einen kleinen Puffer am Konto hab und versuche, wenns mal ein paar Monate gut mit der Agentur läuft, nicht gleich übermütig zu werden. Mit übermütig meine ich beispielsweise Designertaschen, die mehrere tausend Euro kaufen. Zwei Mal wurde ich da nämlich schon übermütig :-)
Den Großteil von meinem Ersparten hab ich vor drei Jahren ausgegeben. Damals hab ich meinen Vollzeitjob gekündigt. Ursprünglich, weil ich mich meiner Masterarbeit widmen wollte. Daraus wurden dann allerdings einige Monate Asien, ein Monat New York und ganz viel süßes Nichtstun- in Summe ein Jahr ohne Einkommen. Bereuen tue ich gar nichts. Ganz im Gegenteil, dieses Jahr Auszeit, hat mich dahin gebracht, wo ich jetzt bin. Und mit meiner Selbstständigkeit könnte ich nicht glücklicher sein.
Mein Hund kostet natürlich auch Geld. Erst kürzlich haben wir Mogli sterilisieren lassen, was knapp 1000 Euro gekostet hat. Wie das mal mit Kind werden könnte, daran mag ich im Moment noch gar nicht denken. Denn richtig sparen tue ich seit meiner Selbstständigkeit nicht. Ich liebe es, Geld für Interiorsachen, Kleidung und gute Lebensmittel auszugeben und möchte das eigentlich momentan nicht ändern. Gutes Essen und ästhetische Sachen machen mein Leben lebenswert und mich glücklich. Außerdem reise ich relativ viel, dafür meistens aber recht günstig.
Ich hab zwar einen Bausparer, wo jeden Monat 100 Euro abgebucht werden und ich beschäftige mich manchmal ein bisschen mit Bitcoins. Aber von einem großen Puffer ist momentan nicht die Rede. Dafür verkaufe ich alles, was ich nicht mehr möchte bei Willhaben, aussortierte Kleidung bei Mädchenflohmarkt und Bücher, die ich gelesen hab, bei Momox. Ich vermiete meine Wohnung ab und ab bei Airbnb, also dann, wenn ich längere Zeit auf Reisen bin.
Momentan lebe ich ganz gut und bin glücklich über diese Situation. Mit meiner finanziellen Zukunft beschäftige ich mich allerdings nicht wirklich, was ich wohl demnächst mal angehen sollte…
PS: Ja, das „rich life“ Tattoo ist echt. Fragt bitte nicht, wie es dazu kam...