portugal: surf diary
Warum mich eine Woche Surfkurs in Ericeira aus meiner Comfort Zone geholt hat.
Ich kann weder Skateboarden noch Snowboarden noch Longboarden. Außerdem werde ich seekrank ab circa 3 cm hohen Wellen und ich hasse kaltes Wasser.
Meine Voraussetzungen für einen Anfänger*innen Surfkurs in Portugal waren also on point. Circa 5 Stunden vor Abflug checke ich das Wetter in Ericeira (nur Handgepäck, klug packen ist angesagt) und komme drauf, dass es am Atlantik nur um die 20 Grad hat. Ok, ist offenbar jedem klar, nur mir nicht. Na gut, dann kommt eine lange Leggings und ein Pulli mit – muss reichen. Wenig später sitze ich mit allem am Körper, was mein Koffer hergab, eingepackt in Portugal, wo es windig und bei 18 Grad bewölkt ist und nippe leicht verunsichert an meinem Sagres Bier. Egaaaaal, Urlaub ist Urlaub- ich lasse mich auf die Skikurs Vibes im Camp ein (circa 25 junge, motivierte Menschen, von denen insgesamt 3 älter sind als ich – geil) und hol mir noch ein Bier aus dem Selbstbedienungskühlschrank.
Tag 1 vom Surfkurs ist da. Ich fühle mich super hot und sporty in meinem hautengen Neoprenanzug (die Fotos haben mich dann eines Besseren belehrt, aber egal) und bin motiviert. Es sind Gott sei Dank einige dabei, die auch null Surf-Erfahrung haben und so schließen wir uns zusammen. Nach Challenge 2 des Tages – Surfbrett bis zum Strand schleppen (Challenge 1 war Neporenanzug in Größe Small anziehen) – bin ich auf jeden Fall aufgewärmt, denke ich. Nach ein paar Runden Jogging, Kniebeugen und Co geht’s ins Wasser und die Aufgabe ist noch leicht: Feel the board.
Es folgen meine persönlichen Horrorminuten, die sich in den nächsten 5 Tagen noch täglich wiederholen werden: Wir spazieren gemütlich in 16 GRAD KALTES Wasser. Mich trifft fast der Schlag und ich bin versucht auf der Stelle umzudrehen. Bringt aber nicht viel, immerhin ist die Außentemperatur auch höchstens 20 Grad und die Sonne verbirgt sich hinter einer Wolkendecke. Fun-Fact des Tages: Mein Neoprenanzug hat ein Loch am Knie und so kommen regelmäßig freshe Wasserladungen durch, die mir einen Schauer über den Rücken jagen.
Ok, genug gejammert: Man gewöhnt sich wirklich relativ schnell an die Wassertemperatur und ist so beschäftigt mit Wellen-Ausweichen, Nicht-Absaufen und Nicht-vom-Board-Fallen, dass keine Zeit bleibt für Drama. Rückblickend war dieser erste Tag sogar ziemlich lustig, weil ich eindeutig noch nicht die Schlechteste war und am Bauch auf der Welle dahingliden schnell raushatte.
Die nächsten Tage wurde es wärmer und auch die Sonne zeigte sich – ich war also happy, kam mit jedem Tag mehr im Urlaubsmode an und hatte eine richtig lustige Zeit mit der Gruppe. Wir waren jeden Tag (mit Pausen) circa 5 Stunden Surfen und das lief mal so, mal so. Das Ziel für die Anfänger*innengruppe war den Take-Off hinzubekommen, also stehend auf einer Welle zu Surfen. Ich hatte kleine Erfolgserlebnisse und auch richtig viel Spaß.
Ich muss aber zugeben: Mein Ehrgeiz beim Erlernen neuer Sportarten (oder eigentlich bei allem) ist begrenzt bzw. meine Geduld enden wollend. Nach dem zehnten Bauchfleck inklusive fliegendem Board war meine Frustration hoch und meine Motivation wieder raus zu Paddeln (Muskelkater des Todes in den Schultern) oder stehend gegen die Wellen anzukämpfen am Boden. Es könnte sein, dass ich die ein oder andere Zornesträne verdrückt habe (sieht man ja nicht, wenn man sowieso ganz nass ist, also reden wir nicht mehr drüber).
Um zum Ende der Geschichte zu kommen: Ich habe es geschafft. Ich bin ein bis drei Wellen stehend gesurft (je nachdem, was man zählen möchte) und habe mich an Tag 5 schon richtig badass gefühlt, weil ich nur mehr 3 Minuten statt 10 über die Wassertemperatur gesudert hab. Außerdem: Nach jeder Einheit ist unsere ganze Truppe ins portugiesische Strandcafé eingefallen um die besten Vanillekrapfen zu essen und sich lautstark über die individuellen Erfolge oder schlimmsten Stürze zu erzählen und this was kind of my favorite part.
Diese 5 Tage im Wasser haben mich weiter aus meiner Komfortzone rauskatapultiert als gedacht. But we all know, this is where the magic happens.
Foto 1, 4, 12: Carolin Adam
Surfcamp: Mellowmove in Ericeira, Portugal